
Fotos: Jörg Bönisch
(Halle (Saale), 20. Oktober 2011) Ende 1994 vermittelten die Service Points in Deutschlands Bahnhöfen die Aufbruchsstimmung der im gleichen Jahr unter Heinz Dürr gegründeten Deutschen Bahn AG. Eine neue Ära brach an: Weg vom Behördenmief und vom Beförderungsfall der Reichs- und Bundesbahn, hin zum kundenorientierten Dienstleistungsunternehmen, stand nun der Kunde im Mittelpunkt der unternehmerischen Ausrichtung. Fortan sollten Reisende nicht mehr am Schalter mürrisch abgefertigt, sondern am Counter freundlich bedient werden. Auch den Warteraum gibt es nicht mehr: Heute überbrückt man die Zeit zwischen den Zügen in einer Lounge. Getrieben vom neuen Denken, brachen nun wechselnde Vorstände, neue Angebote, Produkte und eine Vielzahl von neuen Begriffen über Kunden und Mitarbeiter herein.
Beflügelt wurde die Namensfindung Mitte der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts durch die damals allseits schicke Verwendung von englisch klingenden Begriffen, die wir heute Anglizismen nennen. Dennoch bietet der Service Point viel mehr als nur eine wie bis dahin gewohnte schnöde Fahrplanauskunft. Diese gab und gibt es hier, neuerdings im Echtzeitmodus, auch, aber eben noch viel mehr. Man kann Hotels, Autos und Fahrräder buchen, erhält Informationen zum städtischen Nahverkehr und zu Sehenswürdigkeiten. Unschätzbar ist die Hilfe für Menschen mit Behinderungen. So entwickelte sich der Service Point schnell zu einer beliebten und unverzichtbaren Einrichtung für die Reisenden, die Hilfe und Unterstützung suchen.
Genauso schnell, allerdings erst nach Heinz Dürr, entwickelte sich die nützliche, jedoch sprachlich mangelhaft bezeichnete Dienstleistungseinrichtung bei den Sprachschützern fast schon zum Schreckgespenst für Anglizismen schlechthin. Dürrs Nachfolger, Johannes Ludewig und Hartmut Mehdorn, traten das sprachgeschichtliche Erbe an, und wurden dafür, wie auch für weitere Neuschöpfungen auf dem Weg in die Internationalität, 1999 bzw. 2007 als Sprachpanscher ausgezeichnet. Keine Veröffentlichung, kein Vortrag, keine Schimpfkanonade auf Anglizismen, ohne dass nicht der Service Point an erster Stelle genannt wird.
Damit ist es nun vorbei: Aus dem Service Point wird die Information. Das versteht auf der ganzen Welt jeder und ist ein Sieg für die Sprachschützer, die diesen Erfolg für sich verbuchen können. Und ein großer Schritt für die Deutsche Bahn, die sich nun auf dem Weg zur Kundenorientierung und mit deutscher bzw. international eindeutiger Ausdrucksweise einsichtig zeigt. Gleichzeitig ist ein großer Verlust zu beklagen: Für die mahnenden Sprachschützer bricht ein Feindbild weg. Welcher Anglizismus wird wohl diese Lücke füllen? Wahrscheinlich wird man der Bahn diesen Fehler ewig nachtragen.
Bis Ende des Jahres will die DB alle 81 Service Points umbenennen.
Die Wartburg: Ehemals Austragungsort des Sängerkrieges, fand hier nun die Suche nach dem schönsten deutschen Volkslied ihren Abschluss (Foto: Jörg Bönisch)
Die Zuschauer und Hörer des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) haben entschieden: »Die Gedanken sind frei« ist das schönste deutsche Volkslied. Über zwei Wochen konnte telefonisch oder im Netz auf den Seiten des MDR abgestimmt werden. „Die Wahl zeigt den Wert, den die Freiheit beim Publikum in Mitteldeutschland genießt und dass es sich beim deutschen Volkslied nach wie vor um ein hohes Gut handelt”, meint MDR-Hörfunkdirektor Johann Michael Möller. MDR Fernsehen und MDR Figaro stellten 20 Volkslieder zur Wahl, es konnten aber auch eigene Vorschläge eingereicht werden. Tausende Zuschauer, Hörer und Internetnutzer beteiligten sich an der Abstimmung. Auf die Plätze zwei und drei wurden »Der Mond ist aufgegangen« und »Im schönsten Wiesengrunde« gewählt. Es folgen »Kein schöner Land«, »Ännchen von Tharau« und »Am Brunnen vor dem Tore«.
Der MDR kommt zu dem Ergebnis, dass das Volkslied noch nicht in Vergessenheit geraten sei. Neben der regen Beteiligung an der Abstimmung der vorgegebenen Lieder belegten dies die zahlreichen Vorschläge für das schönste deutsche Volkslied. Unter den 171 Publikumseinsendungen waren die Favoriten das »Heidenröslein«, »Bunt sind schon die Wälder«, »O Täler weit, o Höhen« und »Hoch auf dem gelben Wagen«.

MDR-Moderatoren Katrin Huß und Thomas Bille verkündeten gemeinsam die Gewinner der Aktion • Mitglieder des MDR Rundfunkchores sangen zahlreiche Volkslieder unter der Leitung von Robert Blank (Fotos: MDR/Marco Prosch)
Mit dieser Aktion ist der MDR auf dem rechten Weg, denn im Sommer hatte der VDS in Leipzig gegen die Benachteiligung deutschsprachiger Musik protestiert. Vorstandsmitglied Heiner Schäferhoff und der Dresdner Regionalleiter Peter Jaensch riefen Anfang Juli zu einer Demonstration »Mehr Deutsch im Radio« vor das MDR-Hochhaus in der Leipziger Innenstadt auf und überreichten dort eine Protestnote (Meldung im Archiv). Als wenn dies heilende Wirkung zeigt, wartet der MDR nun mit dieser erstaunenswerten Aktion auf, mit der die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt einen wertvollen Beitrag gegen das Vergessen von Liedgut vergangener Zeiten leistet.
Alle Informationen über die Aktion gibt es auf den Netzseiten des MDR.
Operndiva und VDS-Mitglied Prof. Edda Moser lud zum fünften Mal zum Festspiel der deutschen Sprache in das historische Goethe-Theater nach Bad Lauchstädt ein. Und sie kamen alle, die mehr oder weniger bekannten Prominenten, wie auch die zahlreichen Gäste. Darunter waren Bundesaußenminister a. D. Hans-Dietrich Genscher, Altministerpräsident Prof. Wolfgang Böhmer, die ehemalige Regierungssprecherin Dr. Monika Zimmermann, Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff – Schirmherr der Veranstaltung –, Regierungssprecher Dr. Franz Kadell sowie MDR-Intendant Prof. Udo Reiter. Die Zuschauer wurden im ausverkauften Haus mit einer szenischen Lesung für sieben Schauspieler „Faust – der Tragödie erster Teil“, in der Fassung des 1949 in Halle an der Saale geborenen Film- und Fernsehregisseurs Michael Knof, bgeistert.
Unter der künstlerischen Leitung von Edda Moser wurde großes Theater geboten und das Publikum dankte es den Schauspielern mit tosendem Applaus. Die Besetzungsliste wartete mit der Crème de la Crème der deutschen Schauspielkunst auf: Als Faust und Mephistopheles brillierten Burghardt Klaußner und Ulrich Matthes. Katharina Thalbach überzeugte als Marthe Schwerdtlein, Hexe, Lieschen, die Schöne und die Alte. Pauline Knof schlüpfte in die Rolle der Margarethe. Ernst Jacobi gab den Herrgott und Wagner, Markus Meyer den Schüler und Valentin, Hans Stetter verkörperte Zueignung und Geist. Da die Eintrittskarten bereits Monate vorher ausverkauft waren, wurde die Aufführung, wie bereits im Vorjahr, auf eine große Bildwand vor dem Goethe-Theater übertragen.
Feierlich eröffnete Edda Moser das Festspiel mit den Worten: „Hoch verehrter Herr Geheimrat von Goethe, nehmen Sie Platz in Ihrem roten Regiesessel und lassen Sie uns teilhaben an Ihren Gedanken, in der Hoffnung, dass wir diese zu fassen wissen. Das Heimweh nach sich selbst, als man zum ersten Mal den Faust auf harter Schulbank mühselig las, die Neugier des maliziösen Mephisto, des wutschnaubenden Faust, des unternehmungslustigen Gottes erahnend, mag heute neu erwachen und uns auf den Knien unseres Herzens sich Ihnen zu Füßen legen und lauschend das Wunder dieser herrlichen Sprache zu erleben.“
Burghardt Klaußner im Interview mit dem MDR-Fernsehen: „Es gibt so unendlich viel interessantes Material in diesem Stück Faust, was ganz unmittelbar mit heutigen Verhältnissen zu tun hat. Oder sagen wir, mit Verhältnissen, wie sie immer waren und wohl immer sein werden. Nämlich mit Liebespein und Liebekummer, mit Forscherdrang und Übermut, mit Selbstmordgedanken und mit Tod, mit Religion und Eigenständigkeit. Und das Tolle an dem Stück, wie ich es jetzt durch dieses Lesen erfahren habe, ist, wie es vorwegnimmt die Industrialisierung, insofern als der Faust sagt, ich muss mit der Natur irgendwie eins werden, ich will die haben.“
Ein Kommentar von Jörg Bönisch
Magdeburgs Stadtoberhäupter machen den Quatsch noch quätscher, bis er quietscht: Zwei große, berühmte historische Persönlichkeiten der deutschen Geschichte, nämlich Kaiser Otto I. und Otto von Guericke, die ohnehin weit über Landesgrenzen bekannt sind, und deren, nach eigener Einschätzung der Stadtoberen weitgehend unbekannte Wirkungsstätte, soll nun mit Aufklebern(!) bekannter gemacht werden. Was für eine geniale Idee! Überall auf der ganzen Welt werden nun die ottonisch-stolzen Landeshauptstädter die Aufkleber hinpappen: auf Parkbänke, an Laternenpfeiler, an Häuserwände – sozusagen die Welt »ottorisieren«, wie die Magdeburger Volksstimme am 12. Juli titelte.
Otto I., auch unter Otto der Große bekannt, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, prägte im Mittelalter Europa und brachte seine Verbundenheit mit Magdeburg auch damit zum Ausdruck, dass er hier 968 ein Bistum gründete. Otto von Guericke, Ratsherr und Bürgermeister, machte sich auf wissenschaftlichem Gebiet als Begründer der Vakuumtechnik und Wegbereiter der Meteorologie ebenfalls weit über Deutschland hinaus einen Namen. Sein Wirken war eng mit seiner Geburts- und Heimatstadt Magdeburg verbunden.
Sind die Landeshauptstädter derart von Minderwertigkeitsgefühlen getrieben, dass sie mit Aufklebern auf ihre Stadt und ihre großen Söhne aufmerksam machen müssen? Warum macht man sich noch kleiner, indem man sie in englischer Sprache bedruckt? Wo bleibt das berechtigte Selbstbewusstsein? Magdeburg ist mit einer über 1200-jährigen Geschichte eine der ältesten Städte auf deutschem Boden und besitzt zahlreiche Attribute, die ihre Bewohner stolz machen sollten. Doch mit so einer albernen Aufkleber-Aktion gibt man sich nur der Lächerlichkeit preis. Das meint ein jetzt in Halle wohnender ehemaliger »Machteburjer«.
Zu diesem Thema hat der VDS der Volksstimme in einem Leserbrief seine Meinung mitgeteilt.
Wieder wurde mit viel Tamtam und Presserummel am 22. Juli 2011 eine sinnvolle Dienstleistung mit einer irreführenden Bezeichnung öffentlich zur Schau gestellt: Kunden können im mitteldeutschen Verbundraum Fahrscheine für den Zug, die Straßenbahn oder den Bus mit speziellen Mobiltelefonen kaufen und aktuelle Fahrplanauskünfte einholen. Das Ganze heißt dann „easy.GO“, also „einfach gehen“. Da fragt man sich, wieso einfach gehen, wenn es sich um Angebote des von öffentlicher Hand finanzierten Nahverkehrs für deutschsprachige Kunden im Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV) handelt.
Also offensichtlich ein Angebot, um von A nach B zu fahren, und nicht zu gehen! Wieder so eine gedankenlos erfundene Produktbezeichnung, die bei näherer Betrachtung in die Irre führt. Nur die Namensgeber werden wohl ihre denglische Wortschöpfung schick und toll finden, dem Nutzer erschließt sich der Sinn nicht. Dabei wurde auf der Pressekonferenz ausdrücklich betont, „dass es sich um einen Dienst für Mitteldeutschland handelt, der in Mitteldeutschland entwickelt wurde.”
Wie so oft, sprachlicher Murks, der keinen wirklichen Bezug zu dem hat, was sich dahinter verbirgt. Titelte der MDV bisher mit „Einfacher fahr’n“, was jeder versteht, reiht sich dieses Unternehmen nun in die traurige Aufzählung der Firmen ein, die sich an ihrer Muttersprache und damit an ihrer hauptsächlich deutsch sprechenden Kundschaft verraten haben.
Kommentiert von einem Nicht-Hallenser, der gerne hier lebt: Jörg Bönisch (Foto: Jörg Bönisch)
Georg Friedrich Händel, der seiner Geburtsstadt Halle im Alter von 18 Jahren den Rücken kehrte, sich 1727 in England einbürgern und fortan George Frideric Handel nennen ließ, würde sich über 250 Jahre nach seinem Tode in seiner ehemaligen Heimatstadt wohl auch nicht wohler fühlen. Dennoch: Stolz und würdevoll blickt Mister Handel – der nichts mit dem gleichnamigen Tun zu tun hat – von seinem Postament über den Markt in Richtung seiner Taufkirche und weiter in Richtung seiner Wahlheimat. Dabei entdeckt er allerlei vertrautes, aber auch irritierendes Vokabular. Von Fassaden und aus vielen Schaufenstern schreit es in knalligem rot: „Sale“. „Handy-Shop“ und „Hairstylist“ sind auch nicht weit, bei Teddys „Backdiscounter“ handelt es sich – um Irrtümer bei der Übersetzung auszuschließen – um eine Bäckerei, bei „Subway“ geht es nicht in die U-Bahn, sondern gibt es „Sandwiches“, also belegte Brote, und nebenan im „Service Center“ des städtischen Nahverkehrsunternehmens kann man „Tickets“ oder die „Umweltcard“ für die „Tram“ kaufen.
Halle-luja, da kann einem ja blümerant werden: Die Verhunzung der deutschen Sprache hat Auswüchse angenommen, die das Stadtbild verschandeln. Was denken die Touristen von uns, die aus dem englischen Sprachraum kommen? Was vermuten die wohl hinter einem „Backshop“? Unsere ausländischen Besucher halten große Stücke auf die sprachlichen Leistungen von Goethe, Schiller, Kant und Hegel, wie auch auf die musikalischen Leistungen von Händel und Telemann. Sie kommen mit anspruchsvollen Vorstellungen nach Deutschland – und finden zunehmend nur deutsch-englischen Sprachmüll. Und werden sich wie Händel angewidert von Deutschland abwenden.
Eingangsportal des Deutschen Bundestages (Reichstagsgebäude), Foto: Jörg Bönisch
In der Begründung heißt es: „Für die Finanzierung der in Auftrag gegebenen Berichte werden Steuergelder verwendet. Somit hat ein jeder Steuerzahler das Recht, diese Berichte lesen zu können. Da die Amtssprache Deutsch und nicht jeder der englischen Sprache mächtig ist, muss eine Übersetzung gesetzlich geregelt werden. Beispiel: Der Forschungsbericht 400 des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales liegt nach Aussagen des Ministeriums lediglich in englischer Sprache vor und ist somit für viele Bürger nicht zu verstehen. Für den, der etwas englisch spricht, erschließen sich die Fachbegriffe hingegen nicht oder nur mit viel Aufwand.”
Anlass für die Petition ist der genannte Forschungsbericht des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) über „Elektromagnetische Felder am Arbeitsplatz“. Der 48-seitige Bericht ist auf Englisch geschrieben. Es gibt lediglich eine deutsche Zusammenfassung. Aufgrund der Bundestagspetition hat das BMAS reagiert: Der Bericht stand noch während der Mitzeichnungsfrist nicht mehr zum Herunterladen bereit. Ein eigenwilliges Demokratieverständnis.
Die Mitzeichnungsfrist endet am 28.07.2011. Die direkte Verknüpfung zur Petition mit der Nummer 18036 finden Sie hier.
MDR-Hochhaus im Stadtzentrum von Leipzig (Foto: Jörg Bönisch)
(Halle (Saale), 14. Juni 2011) Am 19. Juni lädt der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) zum MDR open ein. Hier fahren als besonderer Service zwischen dem Leipziger Hauptbahnhof und dem MDR-Gelände Shuttlebusse. Dort werden die Besucher mit dem Jump-Partydome begrüßt. Mit ein bisschen Glück können Interessierte auch VIP-Tickets gewinnen, um die zahlreichen Highlights, Bühnenshows und Mitmachaktionen zu besuchen. Wem diese Ehre nicht zuteil wird, kann sich im VIP-Zelt zum VIP-Treff einfinden. Geht mal der Überblick verloren, stehen Mitarbeiter im T-Shirt »MDR-Team« zur Verfügung. Und zu allem Überfluss wird es vor Stars nur so wimmeln. Denn Stars in Concert gehören genauso zum Programm, wie Quizrunden und Talks. Junge Menschen haben im BildungsCentrum die Möglichkeit, über berufliche Entwicklungsmöglichkeiten zu informieren. In der Media City kann dann auch noch das Studio vom Riverboat bestaunt werden. Grillen und Chillen können Besucher auf dem Gelände ebenfalls. So stellt der MDR das Programm des Tages der offenen Tür auf vier Seiten in der jüngsten Ausgabe seiner Publikumszeitschrift »mittendrin« vor. Zahlreiche Anglizismen finden sich auch in der vom MDR am 14. Juni verbreiteten Presseinformation wieder.
„Wirbt der MDR in der Überschrift »Mittendrin statt nur davor: MDR open!«, so werden doch viele Menschen ausgegrenzt; nämlich die, die nur der deutschen Sprache mächtig sind beziehungsweise mit diesen Anglizismen nichts anzufangen wissen. Außerdem bleibt die Frage, wieso eine gebührenfinanzierte, öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt derartige sprachliche Fehlleistungen verbreitet“, so Arne-Grit Gerold, Leiterin der halleschen Regionalgruppe des Vereins Deutsche Sprache e. V. (VDS).
Der Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks, Prof. Dr. Udo Reiter, antwortete in einem Interview mit der Freien Presse (Ausgabe vom 18.06.2011) auf die Frage, ob er für den Protest unseres Vereins gegen die Häufung englischer Worte im Sprachgebrauch des MDR Verständnis hätte: „Ja und nein. Ich denke schon, dass auch unser älteres Publikum weiß, was Shuttlebusse oder Talks oder zum Beispiel Quizrunden sind. Natürlich muss man beim Sprachgebrauch immer mit Fingerspitzengefühl vorgehen und stets auf Verständlichkeit und die richtige Klangfarbe achten. Das ist fast dasselbe wie beim Dialekt.” Den letztgenannten Aussagen ist eigentlich nichts weiter hinzuzufügen. Es bleibt allerdings die sich zwangsläufig aufdrängende Frage, warum dann im MDR nicht die verständlichen deutschen Begriffe verwendet werden!?
Schon im Schlussbericht der Enquetekommission zur Kultur in Deutschland wurde den öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunkanstalten nahe gelegt, sich ihrer sprachlichen Vorbildfunktion bewusst zu sein. Für die Kommissionsmitglieder ist die deutsche Sprache die gemeinsame Grundlage für das Leben in Deutschland und das prägende Element der deutschen Identität. Es wird festgestellt, dass innerhalb des deutschen Bildungswesens und der medialen Öffentlichkeit ein Verlust an Sprachbewusstsein, ein schrumpfender Wortschatz und eine abnehmende Bereitschaft zu verzeichnen seien, die deutsche Sprache zu fördern, sie fortzuentwickeln und ihr die ihr zukommende Bedeutung beizumessen.
Der VDS setzt sich seit Jahren für einen größeren Anteil deutscher Musik im Rundfunk und für eine bessere Förderung deutschsprachiger Musiker ein. Doch die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender in Deutschland ignorieren derartige Bestrebungen beharrlich. Und das, obwohl Musik aus Deutschland hierzulande die internationale Konkurrenz abhängt. Das Marktforschungsunternehmen Media Control teilte mit, dass 2010 acht der zehn erfolgreichsten Musikalben aus Deutschland kamen. Sechs der Interpreten singen auf Deutsch. Insgesamt wurde im vergangenen Jahr mehr deutschsprachige als internationale Musik verkauft (VDS-Pressemeldung). Um der Forderung nach einem höheren Anteil deutschsprachiger Musik im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Nachdruck zu verleihen, ruft der VDS am 2. Juli zu einer Demonstration vor dem MDR-Gebäude in Leipzig auf.
Die dazugehörige Presse-Information 07/2011 vom 13. Juni 2011 finden Sie in der Rubrik »Presse« oder können Sie hier herunterladen.
v.n.l.r.: Karla Kick mit Britta Carlson, Botschafterin für die FIFA-Frauen-WM 2011 in Deutschland, und Jörn-Torsten Verleger, WM-Beauftragter der Stadt Dresden (Foto: Jörg Bönisch)
(Halle (Saale)/Dresden, 23. Januar 2011) Karla Kick, Glücksbringerin der diesjährigen Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, verkörpert einerseits typisch deutsche Tugenden wie Gründlichkeit und Disziplin, andererseits ist sie auf Abenteuer aus, ist spontan und temperamentvoll, verrückt nach Kindern und sehr verspielt. So kann man es auf der offiziellen Seite des DFB nachlesen. „Unser Maskottchen steht auf beeindruckende Weise für die wichtigsten Attribute des Frauenfußballs: Leidenschaft, Spaß und Dynamik“, sagt Steffi Jones, Präsidentin des Organisationskomitees der Frauenfußball-WM. „Das Offizielle Maskottchen ist eine hervorragende Symbolfigur für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland. Karla Kick hat alle Attribute, die für eine derart wichtige Rolle im Turnier benötigt werden. Sie fängt auf perfekte Weise Spielfreude, Anmut und Athletik des Frauenfußballs ein. Ich bin überzeugt, dass diese Katze mit ihrer Eleganz und ihrer Leidenschaft bei den Fans und den Spielerinnen sehr gut ankommen wird”, hebt FIFA-Marketingdirektor Thierry Weil hervor.
Karla Kick trägt ein weißes Trikot, eine schwarze Hose, weiße Stutzen und Fußballschuhe. Das entspricht den Farben der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Im Vergleich zum Maskottchen der Weltmeisterschaft der Männer 2006, der löwenähnlichen «Leo»-Gestalt Goleo VI, trägt Karla Kick eine Hose. In der Öffentlichkeit stieß Goleo auf wenig Begeisterung und erntete in den Medien viel Hohn und Spott. Bediente man sich für Goleo des englischen «goal» (Tor) und des spanischen Ausrufs «Olé», kommt Karla Kick erstaunlich bodenständig und ohne Anglizismen daher. Damit scheint sie beim fußballbegeisterten Publikum offenbar auch mehr Sympathie einzuheimsen. Wohl auch, weil Karla Kick bereits 1995 das Licht der Welt erblickte: an dem Tag, an dem das deutsche Team zum ersten Mal im Finale einer Frauenweltmeisterschaft stand. So ist sie bereits 16 Jahre alt, wenn das Turnier im Juni in Berlin angepfiffen wird.

Karla Kick posiert vor der WM-Ball-Uhr im Dresdner Hauptbahnhof (Foto: Jörg Bönisch)
Die Frauenfußball-Weltmeisterschaft findet vom 26. Juni bis 17. Juli statt und wird in neun deutschen Städten ausgetragen. In Dresden spielen in der Vorrunde am 28. Juni die USA gegen Korea, am 1. Juli Neuseeland gegen England und am 5. Juli Kanada gegen Nigeria. Am 10. Juli wird in Dresden ein Viertelfinale ausgetragen. Um die Wartezeit bis 26. Juni zu verkürzen, wurde vergangenen Donnerstag im Dresdner Hauptbahnhof die erste überdimensionale rot-weiße Ball-Uhr enthüllt. Sie zeigt die verbleibenden Tage bis zum Anpfiff der ersten FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland an. Die im rot-weißen DB-Design gestaltete Uhr ist mit roten Fußbällen gefüllt. Jeden Tag rollt ein Ball aus der Uhr und gehört dem, der im richtigen Moment zugreift. Wer den Ball ergattert, nimmt zudem an der Verlosung von WM-Eintrittskarten teil, unter anderem für das Finale.
(Halle (Saale), 19. Februar 2011) Spannend wird in diesem Jahr mit Sicherheit der Ausgang der am 20. März stattfindenden Wahl des 6. Landtages in Sachsen-Anhalt. Den VDS interessieren hierbei natürlich die Positionen der Kandidaten und Parteien die deutsche Sprache betreffend. Deshalb wurden den Kandidaten von Bündnis 90/Die Grünen, CDU, Die Linke, FDP, Freien Wählern und SPD im Januar so genannte Wahlprüfsteine ausgehändigt. Bis 18. Februar hatten 263 Listen- und Direktkandidaten die Möglichkeit, die ausgefüllten Fragebögen mit sprachpolitischen Positionen zurückzusenden. Anders als in der Umfrage formuliert, stimmte bei den Freien Demokraten nicht jeder Kandidat für sich ab, sondern die Landesgeschäftsstelle der Partei übersandte nur einen ausgefüllten Bogen. Die Freien Wähler antworteten überhaupt nicht.
Mit der Zusendung von 40 Fragebögen beträgt die Rücklaufquote insgesamt 15 Prozent. „Im Umkehrschluss scheinen über 80 Prozent der Kandidaten sprachpolitische Themen so gleichgültig zu sein, dass sie nicht einmal zehn Minuten Zeit für die Beantwortung der acht Fragen hatten”, zeigt sich Arne-Grit Gerold, Leiterin der halleschen Regionalgruppe des VDS, vom Umfrageergebnis enttäuscht. Und das, obwohl Sprache eine unersetzliche gesellschaftliche Ressource als Voraussetzung für Demokratie, kulturelle Kommunikation, Integration und Identität ist. Kandidaten für einen Abgeordnetensitz im Landtag von Sachsen-Anhalt müssen bürgernah und verständlich kommunizieren, um ihre politischen Zielsetzungen mehrheitsfähig zu formulieren.
In den sprachpolitischen Fragestellungen ging es um den Stellenwert und die Bedeutung der deutschen Sprache als größtes und wichtigstes Kulturprojekt sowie den Deutschanteil in der Schulbildung und im öffentlich-rechtlichen Hörfunk. Ebenso wurde die Position zur Ergänzung des Grundgesetzes um die deutsche Sprache als Landessprache abgefragt, wie auch die Meinung über den Schutz unserer Muttersprache vor der bedenkenlosen und unkritischen Übernahme fremdsprachlicher Einflüsse. In einer weiteren Frage ging es um den Bestand der deutschen Sprache in den Wissenschaften, in der praktisch keine terminologische Fortentwicklung mehr stattfindet.
Die detaillierten Auswertungsergebnisse finden Sie hier zum Herunterladen. Lesen Sie dazu bitte auch unsere Presse-Information 02/2011 und unseren Info-Brief 02/2011.
unten: Prof. Walter Krämer, oben: Eingangsportal des Deutschen Bundestages (Reichstagsgebäude), Fotos: Jörg Bönisch
Der Verein Deutsche Sprache e.V. (VDS) und der Verein für deutsche Kulturbeziehungen im Ausland e.V. (VDA) haben beim Deutschen Bundestag eine Öffentliche Petition eingereicht, um Deutsch als Landessprache im Grundgesetz festzuschreiben. Die Petition mit der Nummer 15500 steht auf den Netzseiten des Bundestages, die Mitzeichnungsfrist endet am 19. Januar 2011.
„Der Zuspruch zu unserer Forderung nach Deutsch ins Grundgesetz ist nach wie vor riesig”, sagt der VDS-Vorsitzende Walter Krämer. „Deswegen geben wir den Bürgern mit dieser Petition die Möglichkeit, selbst über die Stellung der deutschen Sprache abzustimmen.”
Mehrere zehntausend besorgte Sprachfreunde haben sich in den vergangenen Wochen bereits schriftlich zur Bekräftigung dieser Forderung an die Abgeordneten des Bundestages und an den VDS gewandt. Allein auf eine Umfrage der Bild-Zeitung im November hatten über 40.000 Menschen per Brief und Fax ihre Zustimmung bekundet, „die mit Abstand größte Resonanz”, so Krämer, „die irgendeine unserer Aktionen jemals hatte.”
VDS und VDA fordern eine Ergänzung des Artikels 22 Grundgesetz um den Satz „Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch”. Am 9. November 2010 hatten Vertreter beider Vereine 46.000 unterstützende Unterschriften an Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert übergeben.
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