Verein Deutsche Sprache e.V.

in Sachsen-Anhalt
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Beiträge im medienkuss

Foto: Atelier Wege, Halle (Saale)

Jörg Bönisch, seit 1993 Mitglied im Deutschen Journalistenverband (DJV), veröffentlicht im vierteljährlich erscheinenden Journal des Deutschen Journalistenverbandes (Landesverband Sachsen-Anhalt) Beiträge zum Thema «Sprache» und stellt die Positionen des Vereins Deutsche Sprache e.V. (VDS) in den Zusammenhang zur journalistischen Tätigkeit. Der Autor ist seit 20 Jahren hauptberuflich Pressesprecher der Deutschen Bahn AG für die Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Seit 2010 engagiert er sich ehrenamtlich im VDS und wurde am 7. April 2011 zum stellvertretenden Leiter der Regionalgruppe 06 gewählt.

Profil unter Kressköpfe.

   


 

Nachfolgend der im «medienkuss 04/2010» veröffentlichte Beitrag:

Reparaturbedürftiges journalistisches Werkzeug: unsere Muttersprache (I)

Verein macht sich für die Deutsche Sprache stark

  

Noch zählt das Deutsche zur meistgesprochenen Muttersprache in der Europäischen Union und zu den zehn wichtigsten Sprachen der Welt. Der Verein Deutsche Sprache stellt besorgniserregende Tendenzen fest, da die deutsche Sprache zunehmend von angloamerikanischen Einflüssen durchsetzt und verdrängt wird. Damit besteht die Gefahr, dass die deutsche Sprache ihren Charakter als eigenständige Kultur- und Wissenschaftssprache verliert.

Bedenklich ist die Entwicklung, dass sich die deutsche Sprache in den Wissenschaften nicht mehr weiterentwickelt. Gute deutschsprachige Populärmusik hat kaum Chancen im Hörfunk gesendet zu werden. Schnell findet eine Meldung Gehör, wenn in irgendeiner Grundschule der Englischanteil erhöht wird. Kein Wort darüber, dass diesen Experimenten der Anteil am Deutschunterricht geopfert wird. Unmöglich auch die Wortakrobaten in Werbeagenturen und Pressestellen. Sie geben sich oft größte Mühe, Produkte und Sachverhalte so unverständlich wie möglich zu benennen. Es gibt unzählige weitere Beispiele für dieses mangelnde Sprachbewusstsein. Nachdenklich stimmt das mediale Desinteresse an diesem Thema. Haben doch Journalisten eine besondere Verantwortung und Vorbildrolle bei der Anwendung und Pflege der deutschen Muttersprache.

„Mit dem Verein Deutsche Sprache gibt es eine Gemeinschaft, die der deutschen Sprache wieder zu Ansehen und Wertschätzung verhelfen und das Interesse an Sprachentwicklung wecken will. Es gibt keine weitere Bürgerbewegung, die so engagiert für die deutsche Sprache eintritt. Wir wollen dafür sorgen, dass über die deutsche Sprache gesprochen und diskutiert wird“, so Arne-Grit Gerold, ehrenamtliche Leiterin der halleschen Regionalgruppe des Vereins. Dabei ist der gemeinnützige Verein Deutsche Sprache e.V. (VDS) ein Mitmachverein, der von den ehrenamtlichen Aktivitäten der Regionalgruppen lebt. Mit Veranstaltungen soll ein Forum für interessierte Menschen geschaffen werden. So wird im März der Philosoph Johannes Heinrichs, Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des VDS, im Museum Petersberg bei Halle (Saale) seine Leitsätze der kulturellen Identität vorstellen.

Um die sprachlichen Aspekte in den Vordergrund zu rücken, feiern die Mitglieder des VDS gemeinsam mit allen Interessierten seit 2001 am 2. Samstag im September den Tag der deutschen Sprache. In diesem Jahr stellten Prof. Walter Krämer, Gründer und Vorstandsvorsitzender des VDS, und Dr. Cornelius Sommer, Vorsitzender des Beirats der Stiftung Deutsche Sprache, im Mitteldeutschen Multimediazentrum Halle ihr aktuelles Buch »Deutsch lebt! Ein Appell zum Aufwachen« vor. Hier machte Prof. Krämer deutlich, „dass es dem VDS nicht um das Ausgrenzen fremdsprachlicher Einflüsse geht. Vielmehr soll ein Sprachbewusstsein geschaffen werden, welches den unkritischen Gebrauch von Fremdwörtern eindämmt oder verhindert.“ Ein weiterer Höhepunkt wird die Bundesdelegiertenversammlung des VDS, die vom 3. bis 5. Juni 2011 in Merseburg stattfindet.

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Nachfolgend der im «medienkuss 01/2011» veröffentlichte Beitrag:

Reparaturbedürftiges journalistisches Werkzeug: unsere Muttersprache (II)

Sprachchaos in den Medien? Bewusst die (richtigen) Worte wählen!

 

Der allgemein zu beobachtende Verfall unserer Muttersprache scheint auch vor den hiesigen Medien nicht haltzumachen. Es ist schon verwunderlich, wenn in einer sachsen-anhaltinischen Großstadt mit viel Tamtam «Coworking Spaces» eingeweiht werden und zum «Moonlight-Shopping» aufgerufen wird. Wobei das abendliche Einkaufserlebnis, die «Shopping-Tour», bei Neumond besonders interessant zu werden verspricht. Zu allem Überfluss finden derartige «Events» als sprachliche Entgleisungen immer öfter und ganz selbstverständlich Eingang in die Berichterstattung. Auf der anderen Seite werden beispielsweise mit «Top 15» oder «Top Ten» «Rankings» der schönsten Wahrzeichen und touristischen Glanzlichter, Entschuldigung: «Highlights», medial in Szene gesetzt.

Dabei sitzen wir alle im gleichen «Riverboat», denn diese Beispiele sind symptomatisch und die Aufzählung ließe sich mühelos fortsetzen. Oft werden Begriffe aus dem angloamerikanischen Sprachraum kritiklos übernommen; viel häufiger werden englisch klingende Fantasienamen erfunden, über die ein englischer Muttersprachler nur unverständlich den Kopf schüttelt. Um Ratsuchenden mit deutschen Entsprechungen eine Hilfestellung zu geben, stellt der Verein Deutsche Sprache e.V. (VDS) unter www.anglizismenindex.de eine Datenbank mit rund 7.200 Einträgen zur Verfügung, die ständig aktualisiert wird. Eine Unterstützung, wo immer dies aus inhaltlicher und sprachästhetischer Sicht sinnvoll erscheint.

Es löst Erstaunen aus, wo heute im deutschen Journalismus überall etwas «abgesegnet» wird: zum Beispiel in Parlamenten und Ausschüssen. Ursprünglich ein kirchliches Zeremoniell, ist Ziel des Segens die Förderung von Glück und Gedeihen oder die Zusicherung von Schutz und Bewahrung. Heutzutage wird er sinnentstellend für allerlei weltliche Entscheidungen missbraucht. Ein sprachlich-inflationäres «Chaos» herrschte im vergangenen Winter auf Sachsen-Anhalts Straßen- und Schienenwegen. Derart auf Sensation fixiert, wurde der Begriff überstrapaziert und kaum darüber berichtet, dass eine verschneite Winterlandschaft sehr beschaulich ist und sehr beruhigend wirkt.

Andererseits übersteigt es die Vorstellungskraft, wenn das zwangsläufig mit der Schneeschmelze einsetzende Hochwasser «in aller Munde ist». Oder gar aus den «Brennpunkten» der zahlreich betroffenen Überschwemmungsgebiete berichtet wird. Wurden die Menschen aus den vom Hochwasser bedrohten Ortschaften evakuiert, wird der Sprachsalat richtig bunt, wenn überlebende Unfallopfer «geborgen» werden, anstatt sie sprachlich korrekt zu «retten». Es reicht auch nicht mehr, wenn eine Substanz giftig, Sprengstoff explosiv, ein Spezialist qualifiziert, ein Regimegegner kritisch oder eine Produktionslinie das Modernste ist, was auf dem Markt existiert. Nein, es muss alles «hochgiftig», «hochexplosiv», «hoch qualifiziert», «hochkritisch» und «hochmodern» sein.

Genannte Erscheinungen belegen das nachlassende Sprachbewusstsein. Darüber zum Nachdenken anzuregen, ist ein Ansinnen des VDS. „Sprachpflege und Sprachentwicklung sind uns genauso wichtig, wie die Schärfung des Bewusstseins, Fremdwörter verantwortungsvoll einzusetzen, sich mündlich und schriftlich verständlich auszudrücken“, so Arne-Grit Gerold, ehrenamtliche Leiterin der halleschen Regionalgruppe des Vereins. Bleibt der Appell an alle Mitglieder der journalistischen Zunft: Gut bedacht die richtige Wortwahl treffen!

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Nachfolgend der im «medienkuss 02/2011» veröffentlichte Beitrag:

Reparaturbedürftiges journalistisches Werkzeug: unsere Muttersprache (III)

Medium der kulturellen Identität oder bloßes Mittel zur Verständigung?

 

Im Schlussbericht der Enquetekommission zur Kultur in Deutschland wurde dem Erhalt und der Förderung der deutschen Sprache ein eigenes Kapitel gewidmet. Demnach ist sie die gemeinsame Grundlage für das Leben in Deutschland und das prägende Element der deutschen Identität. Die 22 Kommissionsmitglieder sind sich darin einig, „dass innerhalb des deutschen Bildungswesens und der medialen Öffentlichkeit ein Verlust an Sprachbewusstsein, ein schrumpfender Wortschatz und eine abnehmende Bereitschaft zu verzeichnen seien, die deutsche Sprache zu fördern, sie fortzuentwickeln und ihr die ihr zukommende Bedeutung beizumessen.“1 So empfiehlt die Kommission der Politik, die Bedeutung der deutschen Sprache im öffentlichen Bewusstsein zu heben und Initiativen zu ihrer Förderung zu ergreifen. Den öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunkanstalten wird nahe gelegt, sich ihrer sprachlichen Vorbildfunktion bewusst zu sein.

Die Kommission stellt fest, dass „sich unterschiedliche Initiativen zur Förderung der deutschen Sprache entwickelt (haben), deren Maßnahmen und Forderungen von einer Stärkung der kulturellen Bildung bis hin zur Forderung nach einem Sprachenschutzgesetz entsprechend französischem bzw. polnischem Vorbild reichen. Anlass für die Bildung dieser Initiativen war der Befund, dass sich im Prozess der europäischen Einigung das Verhältnis der drei großen Sprachen zugunsten des Englischen verschoben hat. Darüber hinaus tritt das Englische aber auch im Alltag, in der Informationstechnologie und in der Wissenschaft verstärkt an die Stelle des Deutschen.“2 Begründungen für diese Entwicklung liefert der Bericht nicht.

Der Philosoph Prof. Johannes Heinrichs ergründete die kulturpolitischen Ursachen für diese sprachliche Hörigkeit. Diese erläuterte er im März bei einem Vortrags- und Gesprächsforum in den Franckeschen Stiftungen zu Halle. „Nicht zu unterschätzen ist der »deutsche Komplex«, da uns selbst knapp 70 Jahre nach dem Krieg noch immer suggeriert wird, kollektiv die Kriegsverbrecher und -verlierer zu sein. Insbesondere die junge Generation flüchtet gerne aus der deutschen Identität in eine Internationalität, in eine Sprache der Sieger - wir alle möchten flüchten, in eine unbescholtene Sprache. Dass das natürlich kulturell nicht gesund ist, versteht sich von selbst“, so Heinrichs. „Die deutsche Sprache ist noch heute die größte europäische Muttersprache. Diese Meinung können wir jedoch ohne anzuecken nur vertreten, wenn wir ein gesundes kulturelles Selbstbewusstsein entwickeln.“ Ein weiterer Einflussfaktor ist die wirtschaftliche und politische Dominanz der USA und des Wirtschaftlichen in unserem Gemeinwesen durch die Globalisierung.

Gerade die allgegenwärtige, bunt schillernde Werbewelt leistet einen entscheidenden Beitrag zu dieser Fehlentwicklung. In deren Niederungen ist unsere Muttersprache nicht einmal mehr als Mittel für die Verständigung gebräuchlich. Deutsche Firmen werben in Deutschland wider alle Vernunft auf Englisch! So wird bewusst am Verbraucher vorbei geworben: Über zwei Drittel von ihnen verstehen die englischen Werbebotschaften nicht oder interpretieren sie falsch. Zu diesem Schluss kommt Dr. Bernd M. Samland, der als Geschäftsführer der Markenagentur Endmark seit Jahren eindrucksvolle Studien zur Verständlichkeit von englischen Werbesprüchen in Deutschland durchführt. Die Ergebnisse präsentierte Samland im März im Veranstaltungszentrum Schloss Köthen (Anhalt).

Die Erhaltung und kreative Weiterentwicklung der deutschen Sprache bezeichnet Heinrichs als das größte und wichtigste nationale Kulturprojekt Deutschlands. Sie ist das kostbarste Kulturgut, das Medium des Zusammenhalts einer Nation und ihrer Identität. Dass das nicht nur eine Gelehrtenmeinung ist, belegt eine von der Zeitschrift »Reader’s Digest« für die Märzausgabe beim Meinungsforschungsinstitut »Emnid« beauftragte repräsentative Umfrage. Demnach erklärten 43 Prozent der Befragten die gemeinsame Sprache zum prägendsten Element der nationalen Identität. Für 35 Prozent ist es die gemeinsame Geschichte.

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Quelle: 1,2 Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode, Drucksache 16/7000 vom 11.12.2007


 

Nachfolgend der im «medienkuss 03/2011» veröffentlichte Beitrag:

Reparaturbedürftiges journalistisches Werkzeug: unsere Muttersprache (IV)

Was tun, um der Verlotterung der deutschen Sprache Einhalt zu gebieten?

 

Die Internationalisierung wird von den Eliten der Wirtschaft, Politik und Medien in Deutschland freiwillig so interpretiert, dass auf die Muttersprache als Merkmal der kulturellen Identität verzichtet werden kann. Vielmehr gibt man sich mit mehr oder weniger ausgeprägten Englischkenntnissen vermeintlich weltmännisch. Diese Entwicklung hat durch den übermäßigen, kritik- und gedankenlosen Gebrauch von Anglizismen einen überaus schädlichen Einfluss auf die Verständlichkeit der deutschen Sprache. Das Fatale daran ist, dass mit jedem Anglizismus ein Stück der sprachlichen Vielfalt des Deutschen verloren geht. Das wird am Beispiel der mittlerweile umgangssprachlich verwendeten »Highlights« und »Events« deutlich, welche die Entsprechungen »Gipfel, Glanzlicht, Glanzpunkt, Höhepunkt« und »Auftritt, Ereignis, Erlebnis, Geschehen, Spektakel, Veranstaltung« bereits nahezu verdrängt haben.

Die aktuelle Ausgabe des Anglizismenindex*), der in Buchform auf der diesjährigen Bundesdelegiertenversammlung des Vereins Deutsche Sprache e.V. (VDS) Anfang Juni in Merseburg vorgestellt wurde, umfasst bereits 7.300 Einträge und pro Jahr kommen etwa 100 neue Begriffe hinzu. Um Ratsuchenden eine Hilfestellung zu geben, steht die Wörterliste unter www.anglizismenindex.de im Netz und wird ständig aktualisiert. Dieses Nachschlagewerk für Anglizismen, die in der deutschen Alltagssprache verwendet werden, enthält als Buch wie auch in der Netzausgabe die jeweiligen deutschen Entsprechungen. Als Kompendium bietet es Unterstützung, wo immer dies aus inhaltlicher oder sprachästhetischer Sicht sinnvoll erscheint.

Einrichtungen, wie beispielsweise die Gesellschaft für deutsche Sprache, Germanisten und Sprachwissenschaftler überlassen diese Entwicklungen dem Selbstlauf, obwohl die Gesellschaften, Universitäten und Hochschulen von der öffentlichen Hand finanziert werden. Nur zu oft leisten sie diesem Prozess Vorschub, in dem sie den von Vereinen zur Sprachpflege begründet geäußerten Bedenken zu sprachlichen Fehlentwicklungen durch Abwiegeln, Verharmlosen und Beschwichtigen begegnen. In Sachsen-Anhalt haben sich die Neue Fruchtbringende Gesellschaft zu Köthen/Anhalt e.V. und der VDS der Sprachpflege sowie der Förderung des Sprachbewusstseins verschrieben. Beiden Vereinen geht es nicht um die generelle Ausgrenzung ausländischer Einflüsse auf die deutsche Sprache, sondern um den bewussten, überlegten Umgang mit Fremdwörtern. Es geht darum, unsere Muttersprache mit ihren vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten zu erhalten und zu erweitern.

Der VDS, mit über 34.000 Mitgliedern Deutschlands größter Sprach- und Kulturverein, legte bei der diesjährigen Merseburger Delegiertenversammlung seine inhaltlichen Leitlinien fest und zog Bilanz über das zurückliegende Jahr. Prof. Walter Krämer, 1. Vorsitzender, stellte deutlich die Bedeutung der Regionalarbeit heraus: „Wir sind ein Verein, der aus den Graswurzeln wächst, der aus vielen verschiedenen Initiativen zusammenwächst und nicht von oben herab geleitet wird; sondern die Regionen machen das, was sie selbst für richtig halten.” In diesem Jahr waren das im März ein Gesprächs- und Diskussionsforum zur »Kulturellen Identität im Zeitalter der Globalisierung« in den Franckeschen Stiftungen zu Halle und die Beteiligung des VDS beim Fontänefest auf der halleschen Ziegelwiese mit einem Informationsstand zum Tag der deutschen Sprache, der seit 2001 immer am zweiten Sonnabend im September begangen wird.

Am 24. November laden die Berufsverbände Verband der Redenschreiber deutsche Sprache (VRdS) und DPRG e.V. Berufsverband Öffentlichkeitsarbeit sowie der VDS gemeinsam zu einer Podiumsdiskussion »Drei Verbände – Eine Sprache« in die Lutherstadt Wittenberg ein. Sie vertreten unterschiedliche Interessengruppen, bedienen sich aber eines gemeinsamen Werkzeugs: der deutschen Sprache. Sie wollen sich mitteilen und verstanden werden. Das geht am besten auf Deutsch. Legte doch Martin Luther großen Wert auf eine klare und verständliche Ausdrucksweise, findet die Veranstaltung auf historisch verpflichtendem Boden statt.

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*) Bibliografischer Hinweis:Der Anglizismen-Index, Gewinn oder Zumutung, Ausgabe 2011, Herausgegeben von Gerhard H. Junker

IFB Verlag Deutsche Sprache GmbH
Schulze-Delitzsch-Straße 40
33100 Paderborn
info@ifb-verlag.de

ISBN 978-3-942409-11-7
1. Auflage, Paderborn 2011, 304 Seiten, Preis: 15,00 Euro.

Das Buch ist im Buchhandel oder über den IFB Verlag Deutsche Sprache erhältlich.


 

Nachfolgend der im «medienkuss 04/2011» veröffentlichte Beitrag:

Am Anfang war das Wort: Drei Verbände - eine Sprache

VRdS, DPRG und VDS luden zur Podiumsdiskussion nach Wittenberg gebieten?

 

Wohlbedacht wählten der Verband der Redenschreiber Deutsche Sprache (VRdS), die Deutsche Public Relations Gesellschaft (DPRG) und der Verein Deutsche Sprache (VDS) die ersten Worte aus dem Johannesevangelium als Überschrift für ihre Podiumsdiskussion am 24. November in der Lutherstadt Wittenberg: „Am Anfang war das Wort“. In der Tradition Luthers sollte die Veranstaltung erörtern, welche Bedeutung die Sprache für unseren Alltag hat, welche Rolle sie in der Kommunikation einnimmt und wie wir mit ihr umgehen. Dagmar Röse, MDR-Studioleiterin in Dessau-Roßlau, führte Referenten und Publikum in der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt e. V. durch die zweistündige Podiumsdiskussion. Die drei Vertreter der Verbände legten ihre Standpunkte aus drei verschiedenen, aber miteinander doch verflochtenen Blickwinkeln dar: rhetorisch (VRdS), kommunikativ (DPRG) und gesellschaftlich (VDS). „Sprache hält unsere Mitwelt zusammen. Durch sie verständigen wir uns und in ihr leben wir unsere Identität als Gemeinschaft, Organisation oder Person aus. In unsicheren Zeiten, wie der unseren, beruht das Gemeinwesen auf Verständigung und Vertrauen. Sprache kann dieses Vertrauen stiften oder zerstören, festigen oder schwächen“, so Dr. Vazrik Bazil, Präsident des VRdS.

Dabei waren sich die drei Referenten einig, dass die Sprache im jeweiligen kulturellen Umfeld identitätsstiftend ist. Umso bedenklicher seien aktuelle sprachliche und sprachpolitische Entwicklungen. Gute Kenntnisse der eigenen Muttersprache sind die besten Grundlagen für das Erlernen einer Fremdsprache. Die Fehlentwicklungen beginnen mit der frühkindlichen zweisprachigen Erziehung in Kindergärten, finden in der leichtfertigen Abschaffung des international anerkannten Diplomstudienganges ihre Fortsetzung und gipfeln in der sprachlichen Unterwürfigkeit gegenüber der vermeintlichen Weltsprache Englisch. „Wir haben eine Sprache, die ist so wunderschön, die hat so fantastische Möglichkeiten, dass uns die gebildeten Engländer, Franzosen und Italiener darum beneiden. Und was machen wir? Wir werfen sie bedenkenlos in den Müll!“, brachte Oliver Baer, Mitglied im Bundesvorstand des VDS, die vertrackte Situation auf den Punkt. Der durch die Verleugnung der eigenen Sprache entstandene wirtschaftliche Schaden sei immens und hätte mit dazu geführt, dass Deutschland seine führende wirtschaftliche Spitzenposition eingebüßt hat.

Manfred Piwinger, Mitglied im Hauptausschuss der DPRG, erläuterte mit Beispielen aus Geschäftsberichten die missverständliche Verwendung von Fremdwörtern. Insbesondere auf dem Kapitalmarkt hat sich eine Fachsprache entwickelt, die nur noch von Experten verstanden würde. Andererseits enthalten die Nachrichten nur noch schlagwortartige „Plastikwörter“ oder Abkürzungen, die nicht mehr erläutert werden. „Die Sprach- und Verständigungsprobleme rühren auch daher, dass die Dinge tatsächlich viel komplizierter und zusammenhängender geworden sind, als sie in der Geschichte je gewesen seien. Den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft ist aber die Fähigkeit abhandengekommen, die Dinge einfach auszudrücken“, konstatiert Piwinger. Bazil beleuchtete noch zwei weitere Faktoren: Zum Einen ist unsere Gesellschaft stark am wirtschaftlichen Nutzen ausgerichtet. Darum ist es nicht verwunderlich, dass im Einfluss der Globalisierung das Englische überhand gewinnt. Andererseits ist es in der Kommunikation üblich, mit Dunkelheit und Verworrenheit Vieldeutigkeit herzustellen.

Licht ins Dunkel zu bringen und die Dinge zu entwirren ist eine wesentliche Aufgabe der Medien. Diesen Auftrag können Journalisten aufgrund der ebenso uneingeschränkt wirtschaftlichen Ausrichtung der Medienunternehmen und dem damit verbundenem Personalabbau nur eingeschränkt erfüllen. Qualitätsverluste sind so unvermeidbar. „Ob Politiker, Wirtschaftsboss, Pressesprecher, Redenschreiber, Journalist oder Lehrer, alle müssen die Sprache nutzen, um den Alltag verständlich und bildhaft zu erklären. Natürlich ist Sprache Ausdruck der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung und sie unterliegt Veränderungen. Die kommen jedoch nicht von alleine, sondern durch die, die Sprache gebrauchen", fasste Baer zusammen.

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